Weiterdenken statt Wachstumswahsinn

Bürgerinitiativen Arge-B-304 und IGgW veranstalteten das jährliche Mahnfeuer

Beim traditionellen Mahnfeuer der Bürgerinitiativen kamen heuer sehr viele Interessenten, darunter auch einige Stadträte aus Traunreut und Trostberg, dass der Stadel in Pirach aus allen Nähten platzte.

Die BI´s zündeten symbolisch eine Kerze an, die mahnen sollte, die Menschen im Alz- und Trauntal vor Transitverkehr,  Verlärmung und Smog  zu schützen. „Gemeinsam müssen wir weiterdenken“ war das Motto des diesjährigen Treffens. Arnulf Erler, der Sprecher der Arge-B-304, berichtete über die Gerichtsverhandlung zum Aubergtunnel. Der Richter ließ sich auf die Argumentation  bezüglich Planrechtfertigung, Zwangspunkte  und verstärktes Verkehrsaufkommen in Altenmarkt bis zur Inbetriebnahme des BA II der Ortsumfahrung von Altenmarkt  gar nicht erst ein.  Er kommentierte dies lapidar mit den Worten: „Dann ist´s halt so“ und er mache heute den Sack zu, so Erler.

Eine lange Diskussion entzündete sich im Gericht über die Wimperfledermaus, die nur noch in Südbaden, der südlichen Pfalz und im Chiemgau in Kolonien vorkommt. Es bedarf daher besonderer Schutzmaßnahmen, die von Seiten des Gutachters des Staatl. Bauamtes Traunstein nicht vorgesehen waren. Eine große Population hat ihre Wohnstube in Palling. Das Nahrungshabitat dieser Population befindet sich in den Hangleitenwäldern am Auberg. Die Zählungen wurden nur in den Sommer-monaten vorgenommen, während einer Zeit, in der die weiblichen Tiere zur Jungenaufzucht sich nur wenige Kilometer von der sog. Wochenstube entfernen. Damit konnten während dieser Zeit auch nur  wenige Individuen beobachtet werden. Dies führte notwendigerweise zum Trugschluss, dass den Bereich des Aubergs nur eine sehr geringe Anzahl von Wimperfledermäusen aufsucht. Hätte man im den Herbstmonaten auch noch beobachtet, hätten wesentlich mehr Individuen gezählt werden können, da dann auch weibliche Tiere die Hangleiten in Altenmarkt aufgesucht hätten, um sich den nötigen „Winterspeck“ anzufressen, erläuterte der Gutachter des UVA.. Dieser Disput zwischen Richter und den beiden Gutachtern vom Straßenbauamt und UVA führte schließlich zu dem Vergleich zwischen UVA und der beklagten Seite, dass vom Staatlichen Bauamt entlang der Trasse B304 Neu sog. Leitgehölze gepflanzt werden müssen, um den Fledermäusen eine sichere Auffindung ihrer Nahrungshabitate zu ermöglichen. Des weiteren wurde per Gerichtsbeschluss festgelegt, dass vor Inbetriebnahme des Aubergtunnels nachgewiesen sein muss, dass die Wimpernfledermaus die Leitgehölze  als Orientierungshilfe auch annimmt. Das bedeutet aber auch, die Gehölze müssen frühzeitig gepflanzt werden, erklärte Erler.

A.Erler informierte die Besucher auch über die etwaige Linienführung des BA II und die gigantischen  Brückenbauwerke und die Taleinschnitte, die für diese Berg- und Talbahn nötig sind und  wegen der Steigungen dreispurig gebaut werden müssen.

Gisa Pauli, die Vorsitzende des Umweltschutzverbandes Alztal und Umgebung meinte, sie verstehe sehr wohl, dass Altenmarkt entlastet werden müsse, jedoch fehle der kritische Blick auf das große Ganze, auf die Natur-und Artenzerstörung sowie auf die verheerenden Folgeschäden einer europäischen Transitachse  für die Lebensqualität der Bewohner und für den Tourismus des Chiem- und Rupertigaus. Zunehmend verschwinden Wälder, Wiesen, Äcker und Felder.Es wird zugebaut und asphaltiert, was das Zeug hält. Mit dem Wachstumswahnsinn  nach immer mehr Infrastruktur und Gewerbeflächen hält Bayern laut Bundesumweltamt den traurigen Spitzenrekord im Landverbrauch von 13,1 Hektar pro Tag. Nach Berichten vom Landesamt für Umwelt (LfU) sei der Freistaat in den letzten 15 Jahren in puncto Bodenversiegelung und Flächenfraß auf einen Höchststand von 424.000 Hektar angekommen. Und wenn es nach den ehrgeizigen Plänen der Politik und Wirtschaft gehe, drohe dem Südosten durch Neu-und Zubauten für die Infrastruktur weiterer massiver Flächenverlust. So werde Bayerns intakte Natur, Lebensqualität und Identität zerstört und scheibchenweise dem Verkehr geopfert. Dabei gäbe es längst gute Alternativen – ohne neue Straßen. So habe sich der Weg aus der Verkehrsmisere mit einer Kombination aus Güterverkehr auf die Schiene, funktionierender SPNV und ÖPNV, entlastende Verkehrsmodelle, vielseitige Mobilitätsangebote, durchdachter Anschluss- und Zubringerservice sowie einheitliche Tarife in anderen Regionen bewährt. Die Sammlung dieser erfolgreich erprobten Konzepte aus der Schweiz, aus Österreich und deutschen Bundesländern, hat der UVA in einjähriger Arbeit mit dem „Verkehr mit Sinn“ und der „Bürgerallianz Grenzenlos“ im Südostbayern-Manifest ausgearbeitet. Seit Jahren biete der UVA diese Broschüre an. Anlässlich des Spatenstichs in Obing lehnte Minister Dobrindt die Annahme des Südostbayern-Manifestes ab.

 

Reinhold Schopf bemängelte in seinem Statement, dass weder im Raumordnungsverfahren, noch im Planfeststellungsverfahren von den Betroffenen vorgebrachte Argumente und Verbesserungs-vorschläge in die Planungen mit eingeflossen sind. Die Anwohner an der B 304 gehen leer aus. Obwohl sie bis zuletzt gehofft hatten, durch Stillhalten und Abnicken des Projektes ein  „Dankeschön“ in Form von Lärmschutz zu bekommen. Schlussendlich muss man realistischerweise feststellen, dass die Anwohner von ihren Vertretern in der Kommunalpolitik im Stich gelassen wurden. Denn aus unserer Sicht hätte just diese sicherlich Verbesserungen über die rechtlichen Mindestanforderungen erreichen können. Parallelen im nächsten Bauabschnitt, in der Schwarzau sind unübersehbar. Wenn  sich die Bürgermeister nicht für die Interessen der Anwohner einsetzen, bleiben die betroffenen Anwohner mit maximalem Schaden im Regen stehen. Zum Thema Enteignung stellte Reinhold Schopf fest, dass alle zu treffenden Entscheidungen von Angestellten der öffentlichen Hand gefällt werden. Zuerst bestellt das Straßenbauamt einen Gutachter. Auf dieser Grundlage wird an den Grundeigentümer ein Angebot gemacht. Das Gutachten bekommt der Betroffene nicht zu sehen. Lehnt der Betroffenen das Angebot ab, wird im Landratsamt entschieden, ob die vorzeitige Besitzstandseinweisung (erster Schritt der Enteignung) rechtmäßig ist. Dieser Anwalt mit Richterfunktion wird kaum gegen die Interessen seines Arbeitgebers entscheiden. Damit ist das Verfahren ohne Mitwirkung eines unabhängigen Entscheiders abgeschlossen. Weitere Verhandlungen über eine höhere Entschädigungszahlung erfolgen später. “Ich dachte mir, eine Enteignung ohne unabhängige Richter gäbe es nur in Russland oder Afrika – aber nun muss ich sehen, dass dies in Deutschland gang und gäbe ist“ meinte Schopf.

 

Martin Czepan brachte einen Bericht der IHK München über eine Umfrage unter 109 Betrieben im Landkreis Traunstein zur Frage: „ Braucht unsere Wirtschaft neue Straßen“? Dabei  zeigten die Betriebe große Zufriedenheit mit der Straßensituation. Das regionale Straßennetz erhielt die Bewertung 2,2, die Anbindung an das Fernstraßennetz die Note 2,5, aber das Angebot des ÖPNV 3,5 und die Anbindung an die Schiene die Bewertung 3,8, ebenso die  Anbindung an den Luftverkehr mit 3,8.  Das zeigt, dass sich  die heimische Wirtschaft mehr Verknüpfung mit der Bahn wünscht, sowohl für den Gütertransport als auch den Personenverkehr.

 

Ein Highlight des Abends war wie immer das Kabarett mit Kathi, Karli und Kurti. Sie kamen in voller Arbeitskleidung von der Aubergbaustelle, weil sie allerlei Tierlein retten wollten, aber es war wohl zu spät. Alle drei beklagten die riesigen Bauwerke, die der BA II mit sich bringen wird und dass just da, wo sie jetzt saßen, eine Transitstrecke verlaufen werde. Aber Kathi tröstet die beiden: „Wenn es heißt Stau am Anninger Irschenberg“ , dann kennen wir uns aus, wie wir den umfahren können. Kurti fing gar zu reimen an: „ Den Aubergtunnel muss man loben, der Wahnsinn wird nach St.Georgen verschoben“. Wir Verhinderer, all die Mausohrfledermausfedernzähler, Kaulquappennummerierer und Kohlrabiapostel, sind wieder einmal gescheitert. Die drei schmiedeten Pläne, was man mit der Tunnelröhre anfangen könnte, wenn die Fledermäuse die Richterstauden nicht annehmen und sie fragten sich, wer das wohl feststellt. Sie berieten noch wie sie selbst dazu beitragen können, dass der Lieferverkehr abnimmt und wollen kein Gracherl aus Grinzing kaufen. Zum Schluss schickten sie symbolisch all die Straßenbaupläne zum Himmel und baten um göttliche Eingebung, dass ihr geliebtes Alz- und Trauntal kein Transittal wird.

 

Nach dem offiziellen Teil genossen die Besucher noch im Freien die abendliche Stimmung an diesem wunderbaren Ort.

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