Windräder im Siebeneichenforst oder besser im Industriegebiet?

Windrad in Baumham, Foto UVA
 

Windräder sind ohne Zweifel ein wichtiges Standbein unserer künftigen Energieversorgung.
Aber wo sollen sie aufgebaut werden?



Derzeit sind fast sämtliche Standorte im Wald geplant.

Hintergrund: Angst vor Bürgerprotesten.

Betrachtet man die Situation im geplanten Siebeneichenforst, stellt sich die Frage, ob die Windräder nicht besser in den Gewerbegebieten Traunreut (Hochreit) und Trostberg (Waltersham) aufgehoben wären.

Am Lärm kann es nicht liegen, dass diese mitten in unseren Wäldern gebaut werden sollen, denn in kaum 50m Abstand sind diese nicht mehr zu hören.

Die notwendige Infrastruktur (Straßen, Stromanbindung und Abnehmer für den Strom) ist in jedem Industriegebiet vorhanden.

Aus unserer Sicht spricht also nichts dagegen, die noch intakten Wälder zu schonen und Windräder in Industriegebieten zu errichten.
 
Der Windertrag, lt. Windatlas Bayern, spricht jedenfalls nicht gegen diesen Vorschlag.
Denn im Vergleich zu Baumham (4,9m/s) liegt der 7-Eichen-Forst bei 4,7m/s, gleichauf mit dem Gewerbegebiet Hochreit (4,7m/s);
Im Industriegebiet Waltersham, Trostberg, wäre die Situation für ein Windrad sogar noch günstiger, mit 4,8m/s.
Freifläche in Baumham für Wartungsarbeiten am Windrad
Waldschäden in Baumham Foto UVA

Lesen Sie auch unsere Pressemitteilung vom 24.08.2020:

Umweltschutzverband informiert sich zum geplanten Vorhaben am 15. August 2020 vor Ort, in Baumham und Siebeneichen-Forst.

In Anbetracht des geringen Ausbaus der Windenergie in Bayern, im Vergleich zu anderen Bundesländern will das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie den Ausbau der Windenergie forcieren.

Bis Ende 2019 waren in Bayern 1118 Anlagen mit einer Leistung von ca. 2,5GW am Netz.

Damit wurden 4,5 TWh Strom erzeugt. (Internetseite stmwi.bayern.de)

„Wir wollen die wirtschaftlich vertretbare Windstromerzeugung in Bayern an Natur, Landschaft und Bevölkerung verträglichen Standorten ausbauen, mit dem Ziel, einvernehmliche Lösungen z B. über Bürgerentscheide zu finden. Raumverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, kommunale Beteiligung und Bürgerakzeptanz werden in den nächsten Jahren die tatsächlich realisierbare Anzahl von Windenergieanlagen bestimmen.“ So das Bayerische Staatsministerium.

Wie bereits der Presse zu entnehmen, liegt bei den Verwaltungen Trostberg, Traunreut und Palling, die Anfrage vor, eine Aufstellung von Windenergieanlagen im 7-Eichen-Forst zu prüfen.
Dieser Bereich befindet sich im Vorranggebiet für Windenergieanlagen, lt. Regionalplan Südostoberbayern. (Vorranggebiet 52)

Der Umweltschutzverband geht davon aus, dass seine Expertise für diesen und weitere Standorte in Zukunft gewünscht wird.

Aufgrund dessen haben wir Hr. Uber Helmut, ehemals zuständiger Förster für den Bereich Baumham und Sieben Eichen Forst, eingeladen, um vor Ort zu betrachten, welche Veränderungen auf Fauna und Flora der Betrieb der Windenergieanlagen in Baumham zur Folge bis Dato hat.

Anschließend wird ein denkbarer Standort im 7-Eichen-Forst begutachtet, so Schopf Reinhold, Vorsitzender des UVA, zu Beginn der Begehung.

Als weitere Organisationen nahmen teil: Der LBV, Grüne Trostberg u. Traunreut, Bund Naturschutz Altötting, PAO Obing

Hr. Uber erläutert, dass es sich in Baumham vorwiegend um kleinparzellierten Privatwald handelt.

Bestockung vorwiegend mit Fichte und Tanne.

Teils befindet sich der Wald im Umbau auf Laubwald.

Er erläutert, dass im Umfeld der Anlagen stets ein Bereich – entsprechend der  Länge der Rotorblätter und Kranwagen –  frei von Bewuchs gehalten werden muss, um die turnusmäßige Rotorblattprüfung zu ermöglichen.

Einflüsse auf Rehe und Hasen sind kaum zu erwarten, zumal die Windräder nur nahe bei den Anlagen zu hören sind.

Beim südlich gelegenen Windrad sind aufgrund der exponierten Lage  im angerissenen Bestand weitere Schneisen durch Windwurf entstanden, wodurch zusätzlich der Borkenkäfer angelockt wurde. So befindet sich hinter diesem Objekt  eine ca. 50m breite und 100m lange, inzwischen baumfreie Schneise im Wald.

Bezüglich Vogelschlag gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, da tote Vögel in der Regel in kurzer Zeit vom Fuchs gefressen werden, so Uber.

Ein Teilnehmer berichtete, er habe einmal hinter einem der Windräder einen toten Uhu gefunden.

Die besondere Gefährdung von Raubvögeln – hier der Milan – , welche in Rotorblatthöhe fliegen, wurde betont.

Bei der weiteren Begehung im Sieben EichenForst erläutert Hr. Uber, dass man sich ziemlich genau in der Mitte des Forstes, an einem Punkt mit ca. 1100m zu nächstgelegenen Wohnhäusern befindet. Eine 10H-Forderung, wie sie aktuell für Bayern existiert, wäre also auch hier nicht einzuhalten, da die Windräder in der Regel mindestens 150m hoch sind und deshalb sogar ein Mindestabstand von 1500m einzuhalten wäre.

Dieser Forst ist das größte zusammenhängende Waldgebiet im Bereich Trostberg, Traunreut und Palling. Der Wald ist ebenfalls kleinparzellierter Privatbesitz, größerer Waldbesitz befindet sich in Händen von Graf Toerring und der Stadt Trostberg.

Bis ca. 1750 fungierte dieser Wald als Hutewald, ab etwa 1800 wurde mit Fichte aufgeforstet, um einen geschlossenen Waldbestand zu erreichen.

Da der Windrad-Standort im Sieben Eichen Forst in einer Geländemulde liegt und damit die Windwurfsituation nicht so gravierend wie in Baumham ist, wäre es aus forstwirtschaftlicher Sicht besser, Anlagen außerhalb des Waldes aufzustellen, da eine Komplett-Fällung von Altbestand meist zu Schwierigkeiten  bei der Neubestockung  führt und 

 Rodung, Straßenbau, sowie weitere negative Einflüsse auf den Wald vermieden werden könnten. Abgesehen davon sind letztes Jahr 285000 Hektar Wald aufgrund Sturm- und Schädlingsbefall abgestorben. Eine Schonung der noch intakten Wälder sollte deshalb als vorrangig gesehen werden.
Insbesondere in der Nähe von Industriegebieten wäre die notwendige Infrastruktur für Windräder und Abnehmer des Stroms bereits vorhanden.
Und auch wenn die Industriegebiete außerhalb der bisher festgesetzten Vorrangflächen liegen, ist dies kein Hinderungsgrund, denn diese Festlegung hat keine rechtliche Bedeutung, wie man bei diversen Genehmigungen von Kiesgruben, ebenfalls außerhalb von Vorrangflächen gelegen, sehen kann.

Aus unserer Sicht spricht also nichts dagegen, die noch intakten Wälder zu schonen und Windräder in Industriegebieten zu errichten. Der Windertrag, lt. Windatlas Bayern, spricht jedenfalls nicht gegen diesen Vorschlag. Denn im Vergleich zu Baumham (4,9m/s) liegt der 7-Eichen-Forst bei 4,7m/s, gleichauf mit dem Gewerbegebiet Hochreit (4,7m/s); Im Industriegebiet Waltersham, Trostberg, wäre die Situation für ein Windrad sogar noch günstiger, mit 4,8m/s.

Einig war man sich, dass die Windenergie im Rahmen der ökologischen Stromerzeugung weiter ausgebaut werden soll. Das Bestreben jedoch, Industrieelle Anlagen in unseren noch intakten Wäldern zu errichten, wird kritisch beurteilt.

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